Barmherzigkeit, die konkret wird

Gut besuchte Generation Church in der Stadtkirche Diessenhofen

Diessenhofen. Ein Gottesdienst, der nicht bei schönen Worten stehen blieb, sondern herausforderte und ermutigte: In der Stadtkirche Diessenhofen versammelte sich die Generation Church zu einem Abend unter dem Leitgedanken, Glauben in tätige Liebe zu übersetzen.

Pfarrverweserin Karin Schmid-Müller leitete die Feier mit klarer evangelischer Prägung. Sie führte die Gemeinde liturgisch durch die Feier und stellte den Gottesdienst unter den Namen des dreieinigen Gottes. In ruhiger, zugewandter Weise schuf sie einen Rahmen, in dem Verkündigung und gemeinsames Singen ihren Platz fanden. Die Generation Church Band unter der Leitung von Daniel Peyer gestaltete die musikalischen Teile stimmungsvoll und zugleich kraftvoll. Modernere Lieder wechselten mit nachdenklichen Tönen und unterstützten die inhaltliche Tiefe des Abends.

Im Zentrum stand die Predigt von Beno Kehl. „Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben …“ – diese Worte Jesu stellte Kehl nicht als moralischen Appell, sondern als Offenbarung des Herzens Gottes in die Mitte. Christus identifiziere sich mit den Geringsten. Wer dem Bedürftigen begegne, begegne Christus selbst. Anschaulich führte Kehl durch die sieben Werke der Barmherzigkeit: Hungrige speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke und Gefangene besuchen sowie Tote bestatten. Dabei wurde deutlich: Barmherzigkeit ist kein frommes Zusatzprogramm, sondern Wesensmerkmal christlicher Existenz. Der Glaube, so Kehl, bewähre sich im Alltag – dort, wo Not nicht abstrakt, sondern konkret ist.

Ebenso fürsorglich sprach er über die geistigen Werke der Barmherzigkeit: Unwissende lehren, Zweifelnde beraten, Trauernde trösten, Sünder zurechtweisen – in einem Geist der Sanftmut –, Beleidigern verzeihen, Lästige geduldig ertragen und für Menschen beten. Gerade diese „unsichtbaren“ Werke seien im kirchlichen Alltag von grosser Bedeutung. Sie verlangten innere Reife, geistliche Klarheit und die Bereitschaft, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Kehl scheute sich nicht, auch herausfordernde Töne anzuschlagen. Christliche Barmherzigkeit bedeute mehr als spontane Mildtätigkeit. „Sei ein Geber, und man nennt dich einen lieben Wohltäter. Doch lehre den Weg zur Unabhängigkeit, und du wirst zum unbequemen Zeitgenossen“, zitierte er. Anhand seiner grossen Erfahrungen in sozialen Projekten zeigte er, wie Glaube strukturelle Not in den Blick nimmt und Perspektiven eröffnet.

Die Predigt war geprägt von Fröhlichkeit, persönlicher Authentizität und einem grossen Herzen voller Barmherzigkeit. Kehl sprach nicht belehrend, sondern einladend. Immer wieder wurde spürbar: Wer von Gottes Erbarmen lebt, kann selbst barmherzig handeln. Theologie und Praxis gehören zusammen – nicht als Gegensatz, sondern als Einheit. In den Fürbitten und im gemeinsamen Vaterunser nahm die Gemeinde die Impulse der Predigt auf. Der Gottesdienst mündete in Begegnung und Gespräch beim anschliessenden Beisammensein. So wurde deutlich: Der Glaube wurzelt im Vertrauen auf Gottes Gnade – und trägt Frucht in der Liebe zum Nächsten. Barmherzigkeit wagen heisst, Gottes Spuren im eigenen Leben sichtbar werden zu lassen. Der nächste Gottesdienst der Generation Church findet am 29. März 2026 um 19.00 Uhr in der Stadtkirche Diessenhofen statt.